
Inseltörn Usedom
Usedom gilt als das sonnigste Fleckchen der Bundesrepublik. Die zweitgrößte Insel Deutschlands bietet kilometerlange Sandstrände und traumhafte Landschaften.
Usedom
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

Usedom gilt als das sonnigste Fleckchen der Bundesrepublik. Die zweitgrößte Insel Deutschlands bietet kilometerlange Sandstrände und traumhafte Landschaften.

Einmal Kontrastprogramm bitte – so wird es auf Rügen zumindest für Motorradfahrer sein, die üblicherweise bergiges Terrain bevorzugen.

Aus dem Hafen von Stralsund starten wir zu einer Tagestour über Greifswald, Wolgast, Anklam und den Kummerower See nach Barhöft am Kubitzer Bodden.
B111 – die Lebensader der Insel. Die Bundesstraße 111 ist die zentrale Nord-Süd-Verbindung auf Usedom. Von Wolgast auf dem Festland führt sie über die Klappbrücke auf die Insel und dann am Stettiner Haff und Achterwasser entlang über Zinnowitz, Zempin, Koserow und Ückeritz bis nach Bansin und in die Kaiserbäder. Sie verbindet praktisch alle großen Seebäder und ist damit die Strecke, die man auf Usedom am häufigsten unter den Reifen hat – landschaftlich abwechslungsreich zwischen Küstenwald, Bädern und Boddenblick, in der Hauptsaison aber auch die am stärksten befahrene Achse der Insel.
B110 – Anbindung übers Achterland. Die B110 erschließt den südlichen Inselteil und das Festland-Hinterland: von Anklam kommend über die Zecheriner Brücke (die zweite Inselzufahrt) nach Usedom-Stadt und weiter in Richtung der mittleren Insel. Sie ist die ruhigere der beiden Hauptachsen und eine gute Alternative, wenn an der Wolgaster Brücke Stau steht. Über die B110 erschließt sich auch das stille Achterland mit dem Lieper Winkel.
Küsten- und Verbindungsstraßen. Abseits der Bundesstraßen ziehen sich klassische Alleestraßen durchs Inselinnere und verbinden die Achterwasser-Seite mit der Ostseeküste. Diese Landstraßen sind das eigentliche Genussterrain: schmaler, ruhiger, gesäumt von alten Eichen und Linden. Wer den Bädertrubel meidet und das Inselinnere über die Nebenstrecken fährt, erlebt ein ganz anderes Usedom.
Grenzüberschreitend nach Polen. Im Südosten geht Usedom nahtlos in die polnische Stadt Świnoujście (Swinemünde) über. Die Grenze lässt sich seit dem Schengen-Beitritt frei mit dem Motorrad passieren; von dort führt die polnische Ostseeküstenstraße weiter Richtung Międzyzdroje (Misdroy) und den Wollin-Nationalpark – eine lohnende Erweiterung jeder Usedom-Tour.

Die Versorgung mit Tankstellen ist auf Usedom in den größeren Seebädern und an den Inselzufahrten gut, im stillen Achterland und auf den Nebenstrecken aber dünner. Verlässliche Säulen liegen in Heringsdorf, Zinnowitz, Koserow und an der B111, dazu in Wolgast und Anklam auf dem Festland direkt vor den Brücken.
Die Faustregel für die Insel: Wer eine ruhige Runde durchs Achterland oder den Lieper Winkel plant, tankt vorher in einem der Bäder oder am Festland voll, statt sich auf eine Säule am Ende einer Stichstraße zu verlassen. Die Entfernungen auf Usedom sind überschaubar – die Insel ist rund 40 Kilometer lang –, sodass eine normale Tankfüllung locker für mehrere Tagesrunden reicht. Wer grenzüberschreitend nach Polen weiterfährt, sollte den Sprit aber besser noch auf deutscher Seite kontrollieren und nicht auf gut Glück über die Grenze rollen.

Usedom ist über genau zwei feste Straßenverbindungen mit dem Festland verbunden, und beide sind Klappbrücken über den Peenestrom. Im Norden trägt die Wolgaster Peenebrücke die B111 auf die Insel, im Südwesten die Zecheriner Brücke die B110 von Anklam herüber. Eine dritte Straßenquerung gibt es nicht – die Karniner Hubbrücke ist seit 1945 eine Ruine ohne Fahrbahn. Wer rauf auf die Insel will oder herunter, nutzt zwangsläufig eines dieser beiden Bauwerke. Genau das macht die Brücken zur wichtigsten Planungsgröße jeder Usedom-Tour.
Beide öffnen zu festen Zeiten für die Schifffahrt auf dem Peenestrom. Solange die Brücke oben steht, hält der gesamte Straßenverkehr – auf dem Motorrad heißt das schlicht: Motor aus und warten, bis das letzte Schiff durch ist und die Fahrbahn wieder aufliegt. Die genauen Öffnungszeiten wechseln mit Saison und Schiffsaufkommen und sind vor der Tour zu prüfen. Wer sie kennt, legt seine Ankunft an der Brücke bewusst in die Lücke zwischen zwei Öffnungen, statt in die Wartekolonne zu rollen.
Die Wolgaster Brücke, im Volksmund Blaues Wunder, führt Straße und Bahngleis über dieselbe Konstruktion. Neben den Schiffsöffnungen kann hier also auch der Zugverkehr der Usedomer Bäderbahn den Straßenverkehr kurz anhalten – ein zweiter Grund, warum die Schranke unten sein kann, obwohl weit und breit kein Schiff zu sehen ist. Auf der Zecheriner Brücke bestimmt allein die Schifffahrt den Takt.
Der eigentliche Trick liegt darin, dass sich die beiden Zufahrten gegenseitig absichern. Staut es sich an einem sonnigen Wochenende vor der Wolgaster Brücke oder ist sie gerade für ein Schiff geöffnet, führt die Zecheriner Brücke im Süden als Ausweichzufahrt auf die Insel – und umgekehrt. Weil beide an entgegengesetzten Enden des Peenestroms liegen, ist der Umweg allerdings kein kurzer Sprung, sondern reicht grob über die halbe Insellänge. Für die Praxis heißt das:
Am Ostende der Insel läuft die deutsch-polnische Grenze mitten durch die zusammengewachsene Bebauung zwischen Ahlbeck und Świnoujście (Swinemünde). Seit Polens Schengen-Beitritt fällt jede Kontrolle weg. Für Motorradfahrer gibt es hier aber eine Unterscheidung, die man kennen sollte, bevor man an der Promenade steht und sich wundert, warum es nicht weitergeht.

Der bekannte Grenzübergang direkt an der Strandpromenade von Ahlbeck ist ein Übergang für Fußgänger und Radfahrer. Mit dem Motorrad kommt man dort nicht hinüber. Wer das Grenzschild am Wasser als Fotomotiv mitnehmen will, stellt die Maschine ab und geht die letzten Meter zu Fuß.
Die Straßenquerung für Kraftfahrzeuge – und damit für das Motorrad – liegt landeinwärts beim Übergang Garz am nordöstlichen Inselrand. Von dort führt die Straße nach Świnoujście hinüber. In der Praxis bedeutet das: von den Kaiserbädern nicht stur der Küste nach Osten folgen, sondern den kurzen Bogen über Garz nehmen, um legal und ohne Umstände auf die polnische Seite zu rollen. Świnoujście liegt dabei noch auf derselben Landmasse wie der deutsche Inselteil, ist also ohne Fähre oder Tunnel erreichbar.
Auch bei offener Grenze gehören Führerschein und Fahrzeugpapiere ins Gepäck. In Polen gilt zudem tagsüber Abblendlichtpflicht und eine sehr strenge Promillegrenze – im Zweifel gar nichts trinken. Die aktuell gültigen Regeln vor der Grenzfahrt kurz nachlesen, sie können sich ändern.
Die Kaiserbäder und die Bernsteinbäder reihen sich wie an einer Schnur an der B111 – und genau diese eine Achse muss in der Hochsaison den gesamten Urlaubsverkehr tragen. Eine parallele Küstenstraße gibt es nicht. An sonnigen Sommertagen wird die Fahrt durch Koserow, Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck zum Stop-and-go: Tempo 30 in den Ortsdurchfahrten, dichte Fußgängerströme an den Strandzugängen, Radfahrer, Linienbusse und der übliche Parkplatz-Suchverkehr.
Für das Motorrad kommen zwei Punkte dazu. Zwischen den Bädern kreuzt immer wieder die Usedomer Bäderbahn die Straße, sodass sich zum Ortstempo regelmäßig ein Bahnübergang gesellt. Und der Stellplatz mitten im Bad ist in der Hochsaison knapp – wer am frühen Morgen oder am späten Nachmittag kommt, findet leichter Platz und hat die Promenade obendrein für sich, wenn die Tagesgäste schon abgereist sind.
Wer den Bäder-Stau umgehen will, verlässt die volle Küsten-B111 und nimmt die ruhigeren Straßen der Achterwasser-Seite über Benz, Pudagla und Mellenthin. Dort ist deutlich weniger los, und man lässt sich nur an den Stellen an die Küste fallen, an denen man wirklich anhalten möchte. So umfährt man den Trubel und nimmt das stillere Binnen-Usedom gleich als Zugabe mit.
An- und Abreisetage sind der Sonderfall: Am Samstag treffen voller Ortsverkehr in den Bädern und die Öffnungszeiten der Brücken aufeinander und verstärken sich gegenseitig. Eine Abfahrt am späten Vormittag oder unter der Woche entzerrt beides spürbar.
Rund 60 bis 90 km, ein entspannter Tag. Über die B111 in den Inselsüdosten zu den drei Kaiserbädern Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Highlight sind die historischen Seebrücken, darunter die älteste Deutschlands in Ahlbeck, und die Bäderarchitektur entlang der Promenaden. Wer mag, rollt weiter über die offene Grenze nach Świnoujście für einen Kontrast-Stopp auf der polnischen Seite. Einkehr an einer der Strandpromenaden.
Rund 70 bis 100 km, ein Tag. Über die B111 in den Inselnorden nach Peenemünde mit dem Historisch-Technischen Museum, dem U-Boot-Museum und der Phänomenta. Auf dem Rückweg lohnen Stopps in den ruhigeren Nordbädern Karlshagen und Trassenheide mit der Schmetterlingsfarm. Eine Runde, die Technikgeschichte und Strand verbindet. Einkehr in Zinnowitz oder Trassenheide.
Rund 70 bis 100 km, ein ruhiger Tag. Diese Runde verlässt die Bäderseite und taucht ins stille Achterland ein: über schmale Alleen Richtung Lieper Winkel, Usedom-Stadt und das Wasserschloss Mellenthin mit seiner Brauerei. Highlight ist die menschenleere Achterwasserlandschaft mit Schilf und Bodden. Einkehr im Schlossrestaurant Mellenthin oder in Usedom-Stadt.
Rund 120 bis 160 km, ein voller Tag. Über die B110 und Zecheriner Brücke aufs Festland nach Anklam, weiter durchs vorpommersche Hinterland über Landstraßen nach Greifswald mit seiner Backstein-Altstadt, dann zurück über Wolgast und die Peenebrücke auf die Insel. Highlight ist der Wechsel aus Inselbädern und stillem Festland-Hinterland. Einkehr in Greifswald oder Wolgast.
Rund 80 bis 120 km, ein Tag. Von den Kaiserbädern über die offene Grenze nach Świnoujście und weiter entlang der polnischen Ostseeküste Richtung Osten. Die Strecke führt durch eine ruhigere, weniger touristisch geprägte Küstenlandschaft als der deutsche Bäderteil. Auf der Rückfahrt liegt der Insel-Südosten mit dem Golm und dem Blick über das Stettiner Haff auf dem Weg. Jenseits der Grenze gelten polnische Verkehrsregeln und eine niedrigere Promillegrenze; Ausweis, Führerschein und Fahrzeugpapiere gehören auf dieser Tour in die Jackentasche.
Benachbarte Motorradregionen – weitere Strecken-Guides aus dem Netzwerk: