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Usedom

Sehenswürdigkeiten auf Usedom

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Sehenswert

Hochsaison auf der Küstenachse: Kolonne, Kurzstopps und Tageszeit

Im Juli und August trägt eine einzige Straße den gesamten Längsverkehr der Insel. Auf dem schmalen Streifen zwischen Zempin und Ückeritz ist das buchstäblich so gemeint: Zwischen Ostsee und Achterwasser ist kein Platz für eine Parallelstrecke. Eine Baustelle, ein liegengebliebener Wohnwagen oder ein Unfall dort blockiert die Insel in Nord-Süd-Richtung, ohne dass es eine Umfahrung gäbe.

Motorräder vor dem stehen gebliebenen Hubteil der Karniner Eisenbahnbrücke
Das Hubteil der Karniner Brücke steht seit 1945 allein im Peenestrom

Der Verkehrsdruck verteilt sich nicht gleichmäßig, sondern folgt einem Muster:

  • Anreisetage: Samstag ist in den Bäderorten Wechseltag. Der Verkehr läuft dann vormittags stadtauswärts und nachmittags stadteinwärts — beides über dieselbe Achse.
  • Mittagszeit in den Bädern: Der Durchgangsverkehr mischt sich mit Parkplatzsuchverkehr. Fahrzeuge halten unvermittelt, rangieren rückwärts aus Stellplätzen, Fußgänger queren zwischen den Autos. Das ist die typische Umgebung für Auffahrunfälle mit Motorradbeteiligung.
  • Früher Morgen: Vor etwa neun Uhr sind die Küstenorte durchlässig, und die Waldabschnitte liegen praktisch leer. Das ist das Zeitfenster, in dem die Insel fahrerisch etwas hergibt.
  • Abends: Nach dem Strandtag entzerrt sich der Verkehr wieder, dafür steht die Sonne flach im Westen und blendet auf den offenen Abschnitten Richtung Achterwasser.

Die längste zusammenhängende Waldstrecke der Insel liegt zwischen Ückeritz und Bansin — mehrere Kilometer ohne Bebauung, im Baumtunnel und mit dauerhaftem Schatten. Das hat eine praktische Folge: Nach einem Regenschauer trocknet dieser Abschnitt Stunden später ab als die offene Küstenstrecke, und in den Randbereichen bleibt es rutschig, wenn der Rest der Insel längst trocken aussieht. Ähnliches gilt für die alten Alleen im Achterland, wo bei tiefstehender Sonne das harte Wechselspiel aus Licht und Schatten die Fahrbahn schlecht lesbar macht.

Zum Abstellen: In den Kaiserbädern und den Seebädern an der Küste ist Parken bewirtschaftet, und Motorräder sind davon nicht ausgenommen. Auf den Promenaden ist Fahren und Abstellen ausgeschlossen. Wer ohnehin nur eine Kaffeepause plant, kommt in den Achterlanddörfern unkomplizierter unter als zwischen den Strandzugängen — und spart sich die Rangiererei im engsten Verkehr des Tages.

Kultur & Sagen

Sagen & Legenden auf Usedom

Über Jahrhunderte haben Fischer und Seefahrer an dieser Küste ihre Erklärungen für Sturmfluten, Untiefen und verschwundene Schiffe in Sagen gefasst. Zwei dieser Überlieferungen hängen bis heute an Usedom, und beide lassen sich einem Ort direkt an der Strecke zuordnen.

Vineta – die versunkene Stadt vor Koserow

Der Überlieferung nach lag vor der pommerschen Küste die Handelsstadt Vineta – reich, mächtig und in den Erzählungen mit Venedig verglichen. Der Hochmut ihrer Bewohner habe den Untergang heraufbeschworen: In einer einzigen Sturmflutnacht sei Vineta im Meer versunken. An stillen Tagen sollen Fischer die Glocken der versunkenen Stadt noch vom Meeresgrund heraufläuten hören. Wo Vineta wirklich gelegen haben soll, ist bis heute ungeklärt; mehrere Küstenorte beanspruchen die Legende, und auf Usedom wird sie vor allem dem Gewässer vor Koserow und dem Streckelsberg zugeschrieben. In Zinnowitz wird die Geschichte seit 1997 lebendig gehalten: Auf der Ostseebühne führt die Vorpommersche Landesbühne jeden Sommer die Vineta-Festspiele auf, ein Freilichttheater rund um den Mythos.

Der Streckelsberg und sein Sagenschatz

Der Streckelsberg bei Koserow, eine bewaldete Steilküsten-Erhebung von rund 58 Metern direkt über der Ostsee, gilt im Volksmund als „Sagenberg“. Mehrere Legenden ranken sich um ihn: Neben den Vineta-Glocken, die der Sage nach aus der Tiefe heraufklingen, soll hier auch der Seeräuber Klaus Störtebeker einen Schatz versteckt haben. Tatsächlich nagt das Meer beständig am Streckelsberg und trägt die Steilküste Stück für Stück ab – ein realer Hintergrund, vor dem die alten Geschichten vom versinkenden Land plötzlich greifbar werden.

Sehenswert

Geschichte & lohnende Stopps für Regentage auf Usedom

An der Ostsee gehört Regen zum Programm, und der Wind treibt ihn gern waagerecht über die Insel. Genau dafür hat Usedom eine Dichte an überdachten Zielen, die für eine vergleichsweise kleine Insel bemerkenswert ist – von Technikgeschichte über Naturerlebnis bis zur Bäderarchitektur unter Dach.

  • Historisch-Technisches Museum Peenemünde: Auf dem Gelände der früheren Heeresversuchsanstalt zeigt es auf großer Fläche die Geschichte der Raketenforschung, des V2-Programms und seiner Opfer. Der Rundgang füllt mehrere Stunden und läuft komplett im Trockenen ab.
  • U-Boot-Museum Peenemünde: Das begehbare sowjetische U-Boot U-461 liegt direkt am Hafen von Peenemünde. Der Gang durch die engen Sektionen vom Torpedoraum bis zum Maschinenraum ist ein eigenes Erlebnis – komplett wettergeschützt.
  • Phänomenta Peenemünde: Die interaktive Mitmach-Ausstellung mit über 200 physikalischen Experimenten ist ideal, um eine Schauerphase trocken zu überbrücken, und funktioniert für jedes Alter.
  • Schmetterlingsfarm Trassenheide: In einer großen, beheizten Freiflughalle flattern ganzjährig Hunderte tropische Schmetterlinge. Bei Regen ein warmes, ungewöhnliches Ziel abseits der üblichen Museen.
  • Wasserschloss Mellenthin: Das Renaissance-Schloss aus dem 16. Jahrhundert verbindet Geschichte mit einer eigenen Brauerei, Brennerei und Kaffeerösterei. Bei Regen lässt sich hier eine ganze Mittagspause überbrücken, ohne nass zu werden.
  • Bäderarchitektur unter Dach: Wenn der Schauer durchzieht, bieten die Kurhäuser, Cafés und Wandelhallen der Kaiserbäder einen trockenen Unterstand mitten in der historischen Kulisse – ein Stadtbummel, der die Geschichte der „Badewanne Berlins“ aus der Kaiserzeit nebenbei miterzählt.

Praktischer Vorteil: Die großen Ziele in Peenemünde und Trassenheide liegen kompakt im Inselnorden beieinander, die Bäder-Stopps im Südosten. Man kombiniert ein Innenraum-Ziel mit einem Bummel und wartet die schlimmste Regenphase im Trockenen ab, statt sich durch waagerechten Schauer zu quälen.

Sehenswert

Naturstopps im Achterland und an der Steilküste auf Usedom

Die Stärke Usedoms liegt im Gegensatz ihrer beiden Seiten: Hier die offene, raue Ostseeseite mit Steilküste und endlosem Sandstrand, dort die stille, binnenländische Achterwasserseite mit Schilf, Bodden und Vogelwelt. Dazwischen liegt ein Naturpark, der fast die ganze Insel umfasst.

Naturpark Insel Usedom

Der Naturpark Insel Usedom erstreckt sich über den Großteil der Insel und bezieht das Achterwasser, den Peenestrom und Küstenabschnitte des Festlands mit ein. Er schützt eine vielfältige Landschaft aus Wäldern, Mooren, Binnenseen und Küstenzonen – und ist Lebensraum für eine reiche Vogelwelt, die sich vor allem an den ruhigen Boddengewässern beobachten lässt.

Achterwasserseite und Binnenseen

Während die Ostseeseite den Trubel und die großen Bäder trägt, ist die Achterwasserseite das ruhige Gegenstück: flaches, brackiges Binnengewässer, gesäumt von Schilf und Fischerdörfern. Der Gothensee ist der größte Binnensee der Insel, dazu kommen kleinere Gewässer wie der Wolgastsee. Wer im Lieper Winkel oder am Achterwasser anhält, erlebt eine stille, fast menschenleere Seite Usedoms, die mit dem Bädertrubel nur den Inselnamen gemein hat.

Steilküste und Aussicht

  • Streckelsberg bei Koserow: Die bewaldete Steilküsten-Erhebung von rund 58 Metern bietet vom Plateau einen weiten Blick über die Ostsee. Das Meer nagt hier beständig an der Steilkante – ein eindrucksvoller Pausenplatz.
  • Golm im Inselsüdosten: Mit rund 69 Metern die höchste Erhebung Usedoms, nahe Kamminke am Stettiner Haff. Heute ist der Golm zugleich Kriegsgräberstätte und Mahnmal – ein stiller, nachdenklicher Ort mit Blick über das Haff.
  • Steilküste zwischen Bansin und Koserow: Auf den Höhenrücken entlang der Ostseeseite wechseln sich bewaldete Steilufer und freie Blicke aufs offene Meer ab – ideale Stellen, um die Beine zu vertreten.
  • Wind an der Kante: Auf den Steilküsten-Plateaus steht der Wind auch dann, wenn es im Achterland windstill wirkt. Für einen längeren Halt taugen die Waldränder hinter der Kante besser als die Aussicht selbst.

Wolgast und Zecherin: die Insel hängt an zwei beweglichen Brücken

Usedom hat genau zwei Straßenverbindungen zum Festland, und beide sind beweglich. Im Norden zieht die B111 mitten durch Wolgast und quert dort den Peenestrom, im Südwesten überspannt die B110 das Wasser bei Zecherin. Eine dritte Straßenquerung existiert nicht — die Ruine bei Karnin trägt keinen Verkehr. Für die Tourenplanung heißt das: Die Entscheidung, wie man auf die Insel kommt, fällt lange vor der Insel, nämlich an der Abzweigung auf dem Festland.

Beide Brücken werden für die Schifffahrt geöffnet, und der Straßenverkehr steht währenddessen still. Entscheidend ist weniger die Öffnung selbst als ihre zeitliche Überlagerung: Die Wochen, in denen auf dem Peenestrom der meiste Sportbootverkehr läuft, sind exakt die Wochen mit dem stärksten Straßenverkehr. Beides addiert sich an derselben Stelle. Wer an einem warmen Julisamstag mittags am Wolgaster Ufer ankommt, trifft nicht auf eine Ausnahme, sondern auf den Regelfall.

Ein Rückstau an einer Klappbrücke ist echter Stillstand, kein zähflüssiger Verkehr. Durchschlängeln zwischen den Fahrzeugreihen ist in Deutschland nicht erlaubt, und auf den Brückenrampen gibt es keinen Seitenstreifen, auf den man ausweichen könnte. Praktisch bleibt nur: Motor aus, Visier auf, warten. Luftgekühlte Motoren und schwere Reiseenduros danken es. In Wolgast reicht die Warteschlange bei starkem Verkehr in die Straßen der Stadt zurück, weil die Bundesstraße dort ohne Umgehung durch den Ort geführt wird.

Die Wolgaster Querung trägt zusätzlich die Gleise der Usedomer Bäderbahn. Straße und Bahn hängen also an demselben beweglichen Bauwerk. Fällt eine der beiden Verbindungen wegen Bauarbeiten oder einer Störung aus, verlagert sich der komplette Inselverkehr auf die jeweils andere — und der Ausweichweg führt weiträumig über das Festland. Wer knapp kalkuliert, etwa wegen eines Fährtermins oder einer Rückfahrt mit fester Ankunftszeit, sollte diesen Fall im Kopf haben.

Das Achterland als ruhiger Gegenpol zur Bäderkette

Der Bäderstreifen an der Ostsee und das Inselinnere sind zwei verschiedene Fahrreviere, obwohl sie nur wenige Kilometer trennen. Zwischen Benz, Neppermin, Pudagla, Stolpe, Dargen und Usedom-Stadt läuft ein Netz aus schmalen Landstraßen, das kaum Durchgangsverkehr sieht. Die Fahrbahnen sind hier oft nur so breit, dass zwei Pkw sich gerade eben begegnen, Mittelmarkierungen fehlen streckenweise ganz, und die Ränder brechen an den Feldzufahrten weg.

Der Untergrund wechselt schneller als an der Küste. Nach der Ernte und bei feuchtem Herbstwetter liegt an Ackerauffahrten Erde auf dem Asphalt, an Waldwegeinmündungen Sand und Splitt. Landwirtschaftliches Gerät ist im Achterland kein Sonderfall, sondern gehört zum Verkehr — hinter einer Kuppe kann ein Gespann stehen, das die halbe Fahrbahn einnimmt. Genau diese Kuppen machen den Reiz aus: Das Endmoränenland gibt kurze Anstiege und Senken her, aber die Sichtweite endet regelmäßig an der Kuppenkante.

Die Beschilderung ist sparsam, die Kreuzungsdichte gering. Eine verpasste Abzweigung kostet hier schnell mehrere Kilometer, weil die nächste Verbindung erst im übernächsten Dorf abgeht. Wer sich an markanten Punkten wie der Bockwindmühle in Benz orientiert, kommt besser durch als über reines Schilderlesen. Und das Achterland ist mehr als eine Landschaftsvariante: Es ist die einzige brauchbare Ausweichachse, wenn die Küstenstraße zäh wird. Der Südosten der Insel lässt sich über die Binnendörfer erreichen, ohne die Bäderorte in Reihe abzufahren.

Sackgassen ins Achterwasser: Lieper Winkel und Gnitz

Zwei Halbinseln schieben sich vom Inselkörper ins Binnenwasser, und beide funktionieren fahrerisch nach demselben Prinzip: Man fährt hinein und auf derselben Strecke wieder hinaus. Durchgangsverkehr gibt es dort nicht, weil keine der Straßen weiterführt.

Lieper Winkel

Die Straßen nach Liepe, Rankwitz, Warthe und Quilitz sind schmal, teils einspurig mit Ausweichbuchten, und sie enden am Wasser — an einem kleinen Hafen, an einer Slipanlage, an einem Bootssteg. Zwischen den Dörfern stehen Alleebäume dicht am Fahrbahnrand, dazwischen liegen Schilfflächen und Weiden. Wendemöglichkeiten sind rar; das gilt besonders für Gespanne und schwer beladene Reisemaschinen. Wer bis ans Ende fährt, sollte vorher wissen, wo er das Motorrad drehen kann, ohne im weichen Randstreifen zu landen.

Gnitz

Nördlich davon führt die Straße über Lütow nach Netzelkow und läuft im Schutzgebiet an der Spitze aus. Auch das ist eine Stichstrecke, aber mit anderem Charakter: mehr offene Flächen, weniger Baumtunnel, dafür deutlich mehr Seitenwind, weil das Achterwasser hier auf beiden Seiten offen liegt.

Der dritte Sackgassen-Ort liegt ganz im Südosten: Kamminke am Stettiner Haff, wo die Straße unmittelbar an der Staatsgrenze am Wasser endet. Für alle drei gilt dieselbe Planungsregel — Tankfüllung und Zeitbedarf doppelt rechnen. Jeder Kilometer hinein ist ein Kilometer zurück, und Tankstellen gibt es dort draußen nicht.

Der Nordzipfel: die Straße nach Peenemünde endet am Wasser

Von Zinnowitz aus läuft die Straße über Trassenheide und Karlshagen nach Norden, ein gutes Stück davon schnurgerade durch Kiefernwald. Der Verkehr dünnt mit jedem Kilometer aus, und in Peenemünde ist Schluss: Hafen, Museumsgelände, Flugplatz — dahinter der Peenestrom. Man sieht das Festland bei Freest und Kröslin liegen, aber es führt keine Straße hinüber.

Dass dieser Inselteil so leer ist, hat einen Grund. Der Nordzipfel war über Jahrzehnte militärisches Sperrgebiet: erst die Heeresversuchsanstalt mit Raketenerprobung und Zwangsarbeit, nach 1945 sowjetische und später NVA-Nutzung mit einem eigenen Jagdfliegergeschwader auf dem Flugplatz Peenemünde. Wohnbebauung ist deshalb nie gewachsen, und das Straßennetz stammt in weiten Teilen aus dieser militärischen Erschließung — breite Zufahrten, wenig Anschlüsse, kaum Anlieger. Für Motorradfahrer ergibt das ruhige, gut einsehbare Strecken; als Auslauffläche taugen sie trotzdem nicht, weil Radfahrer, Fußgänger und Museumsbesucher denselben Raum nutzen.

Peenemünde ist ein Gedenkort mit Opfergeschichte, kein Technikpark. Auf dem Museumsparkplatz gilt deshalb Standgas statt Lastwechsel, und die Maschine steht besser abseits der Stellen, an denen sich Besuchergruppen sammeln. Vorgeschrieben ist das nicht, angemessen schon.

Über die Grenze nach Świnoujście und weiter Richtung Wolin

Die Staatsgrenze läuft quer über die Insel, von der Ostsee östlich von Ahlbeck bis ans Stettiner Haff. Der maßgebliche Straßenübergang liegt am östlichen Ortsrand von Ahlbeck; weiter südlich existieren kleinere Übergänge, die für Fußgänger und Radfahrer gedacht sind und für eine Motorradtour keine Rolle spielen. Seit 2025 gibt es an der deutsch-polnischen Grenze wieder zeitweise stationäre Kontrollen. Ob sie gerade durchgeführt werden, ändert sich; Führerschein, Fahrzeugpapiere und Ausweis gehören auf dieser Insel ohnehin in die Jackentasche und nicht ins Topcase.

Świnoujście ist die größte Stadt auf Usedom, gehört verkehrlich aber nur halb zur Insel: Der Stadtteil auf Usedom ist über die Świna vom übrigen polnischen Straßennetz getrennt. Seit der Tunnel unter der Świna in Betrieb ist, läuft die Durchfahrt Richtung Wolin planbar und ohne Wartezeit an einer Abfertigung. Im Tunnel gelten eigene Regeln — Geschwindigkeitsbegrenzung, Halte- und Wendeverbot, Licht an. Vor der Einfahrt lohnt es sich, das Visier zu schließen und den Abstand zu vergrößern; der Temperatursprung zwischen Küstenwind und Tunnelröhre ist deutlich.

Die Stadt selbst fährt sich anders als der deutsche Inselteil: Hafen- und Werftverkehr, mehrspurige Achsen, dichte Ortsdurchfahrten. Dahinter, auf der Nachbarinsel Wolin, wird es fahrerisch interessanter. Die Steilküste dort ist deutlich höher als alles, was Usedom zu bieten hat, und die Straßen durch das Waldgebiet haben mehr Höhenwechsel als jede deutsche Inselstrecke. Wer weiterfährt, stellt sich auf durchgehend niedrigere Tempolimits innerorts, konsequent überwachte Ortsdurchfahrten und einen anderen Fahrbahnbelag ein. Fest installierte Geschwindigkeitsmessung ist auf polnischen Landstraßen verbreitet.

Kaiserbäder, Peenemünde und Schloss Mellenthin: die Ziele auf Usedom

Usedom bündelt auf kurzer Distanz, was anderswo über eine ganze Küste verteilt liegt: kaiserzeitliche Bäderarchitektur, eines der bedeutendsten Technik- und Geschichtsmuseen Norddeutschlands, ein stilles Hinterland und eine offene Landgrenze nach Polen. Alle diese Ziele liegen an der B111 oder am Ende kurzer Landstraßen-Abstecher und lassen sich zu geschlossenen Tagesetappen verbinden.

Die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin

Die drei Kaiserbäder im Inselsüdosten zeigen Usedom in seiner bekanntesten Form. Die weiße Villen- und Bäderarchitektur aus der Kaiserzeit, verziert mit Holzveranden, Türmchen und Erkern, zieht sich Promenade um Promenade am Strand entlang. Die Seebrücke Ahlbeck von 1898 ist die älteste Seebrücke Deutschlands, ihr weißes Brückenhaus gehört zu den bekanntesten Bauwerken der Ostseeküste. Die Seebrücke Heringsdorf reicht mit gut 500 Metern als eine der längsten des Landes weit ins Wasser. Abgestellt wird das Motorrad am Promenaden- oder Ortsrand; Fußgängerzonen und Seebrücken sind für den Verkehr gesperrt.

Peenemünde im Inselnorden

Am Nordzipfel liegt Peenemünde, geschichtlich der schwerste Ort der Insel. Auf dem Gelände der ehemaligen Heeresversuchsanstalt, von 1936 bis 1945 das größte militärische Forschungszentrum Europas, wurde unter Wernher von Braun die Rakete A4 entwickelt und als Propagandawaffe „V2“ in Dienst gestellt. Das Historisch-Technische Museum Peenemünde dokumentiert diese Geschichte mit Originalteilen, Dokumenten und Zeitzeugenberichten – ein Mahnmal, kein Technikspektakel. Gleich nebenan liegen weitere Ziele: das U-Boot-Museum mit dem begehbaren sowjetischen U-Boot U-461 und die interaktive Phänomenta, in der das Anfassen der physikalischen Experimente ausdrücklich erwünscht ist.

Die Drei-Kaiserbäder-Promenade

Die durchgehende Strandpromenade verbindet Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck und läuft ohne Unterbrechung weiter ins polnische Świnoujście. Mit rund zwölf Kilometern gilt sie als längste Strandpromenade Europas. Fahren kann man sie nicht – sie ist Flanier- und Radstrecke – aber als Spaziergang in Stiefeln ist sie ein Höhepunkt jeder Pause an den Kaiserbädern.

Usedom-Stadt und das Wasserschloss Mellenthin

Im ruhigen Hinterland lohnen zwei Stopps. Usedom-Stadt an der B110 ist der namensgebende, beschauliche Ort im Süden. Das Wasserschloss Mellenthin aus den Jahren 1575 bis 1580 ist eines der bedeutendsten Renaissance-Bauwerke Vorpommerns und beherbergt heute eine eigene Brauerei und Brennerei samt Restaurant und Kaffeerösterei – ein lohnendes Ziel auch bei Regen. In Stolpe wird zudem das nach 1945 verfallene Gutsschloss seit Jahren wieder hergerichtet.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Der Golm

Mit 69 Metern die höchste Erhebung Usedoms und zugleich Kriegsgräberstätte für die Toten des Luftangriffs auf Swinemünde vom 12. März 1945. Vom bewaldeten Rücken reicht der Blick über das Stettiner Haff bis zur polnischen Grenze.

Anfahrt
Über die B110 in den Südosten der Insel, ab Garz/Kamminke zur Gedenkstätte ausgeschildert
Motorrad-Parken
Wanderparkplatz am Fuß des Golm, von dort die letzten Meter zu Fuß hinauf
Öffnungszeiten
Freigelände der Gedenkstätte frei zugänglich
Höhe/Aussicht
69 m – höchster Punkt der Insel Usedom, Blick über das Stettiner Haff

Streckelsberg bei Koserow

Bewaldete Kliffranddüne direkt an der Ostsee-Steilküste, drittgrößte Erhebung der Insel. Ein Wanderweg am Kliffrand öffnet den Blick auf die offene See – ein kurzer, lohnender Stopp mitten an der Bäderküste.

Anfahrt
An der B111 in Koserow, ab Ortsmitte Richtung Steilufer
Motorrad-Parken
Parkplätze am Ortsrand von Koserow nahe dem Streckelsberg, letztes Stück zu Fuß
Öffnungszeiten
frei zugänglich
Höhe/Aussicht
rund 58 m Steilküste über der Ostsee
Museum Peenemünde: Rakete vor dem historischen KraftwerkAusstellungsstück im Museum Peenemünde

Historisch-Technisches Museum Peenemünde

Im ehemaligen Kraftwerk an der stillen Nordspitze der Insel dokumentiert das Museum die Heeresversuchsanstalt Peenemünde und die Entwicklung der A4-(V2-)Rakete – einschließlich der Zwangsarbeit dahinter. Ein Glasaufzug führt auf eine Aussichtsplattform.

Anfahrt
Ab Zinnowitz über Trassenheide und Karlshagen zur Nordspitze nach Peenemünde
Motorrad-Parken
Großer Besucherparkplatz am Museum und Hafen
Öffnungszeiten
April–September 10–18 Uhr, Oktober–März 10–16 Uhr (November–März montags geschlossen)

Seebrücke Ahlbeck

Die älteste erhaltene Seebrücke Deutschlands mit ihrem markanten Pavillon von 1898 – ein Wahrzeichen der Kaiserbäder und ein klassischer Foto-Stopp über der Ostsee an der langen Strandpromenade.

Anfahrt
Über die Küstenstraße in die Kaiserbäder, in Ahlbeck an der Strandpromenade
Motorrad-Parken
Gebührenpflichtige Parkflächen in Strandnähe/am Seebrückenvorplatz, kurze Wege zur Brücke
Öffnungszeiten
Brücke frei zugänglich (Restaurant/Pavillon mit eigenen Zeiten)

Karniner Hubbrücke

Das 52 Meter lange Hubteil einer 1945 gesprengten Eisenbahnbrücke steht bis heute als technisches Denkmal mitten im Peenestrom. Vom ehemaligen Bahndamm bei Karnin ein ungewöhnliches Motiv im dünn besiedelten Süden der Insel.

Anfahrt
Ab Usedom-Stadt bzw. B110 Abzweig nach Karnin am Peenestrom
Motorrad-Parken
Kleiner Parkplatz am Ortsende von Karnin, dann zu Fuß auf den alten Bahndamm
Öffnungszeiten
frei zugänglich (Denkmal im Freien)

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