Usedom hat genau zwei Straßenverbindungen zum Festland, und beide sind beweglich. Im Norden zieht die B111 mitten durch Wolgast und quert dort den Peenestrom, im Südwesten überspannt die B110 das Wasser bei Zecherin. Eine dritte Straßenquerung existiert nicht — die Ruine bei Karnin trägt keinen Verkehr. Für die Tourenplanung heißt das: Die Entscheidung, wie man auf die Insel kommt, fällt lange vor der Insel, nämlich an der Abzweigung auf dem Festland.
Beide Brücken werden für die Schifffahrt geöffnet, und der Straßenverkehr steht währenddessen still. Entscheidend ist weniger die Öffnung selbst als ihre zeitliche Überlagerung: Die Wochen, in denen auf dem Peenestrom der meiste Sportbootverkehr läuft, sind exakt die Wochen mit dem stärksten Straßenverkehr. Beides addiert sich an derselben Stelle. Wer an einem warmen Julisamstag mittags am Wolgaster Ufer ankommt, trifft nicht auf eine Ausnahme, sondern auf den Regelfall.
Ein Rückstau an einer Klappbrücke ist echter Stillstand, kein zähflüssiger Verkehr. Durchschlängeln zwischen den Fahrzeugreihen ist in Deutschland nicht erlaubt, und auf den Brückenrampen gibt es keinen Seitenstreifen, auf den man ausweichen könnte. Praktisch bleibt nur: Motor aus, Visier auf, warten. Luftgekühlte Motoren und schwere Reiseenduros danken es. In Wolgast reicht die Warteschlange bei starkem Verkehr in die Straßen der Stadt zurück, weil die Bundesstraße dort ohne Umgehung durch den Ort geführt wird.
Die Wolgaster Querung trägt zusätzlich die Gleise der Usedomer Bäderbahn. Straße und Bahn hängen also an demselben beweglichen Bauwerk. Fällt eine der beiden Verbindungen wegen Bauarbeiten oder einer Störung aus, verlagert sich der komplette Inselverkehr auf die jeweils andere — und der Ausweichweg führt weiträumig über das Festland. Wer knapp kalkuliert, etwa wegen eines Fährtermins oder einer Rückfahrt mit fester Ankunftszeit, sollte diesen Fall im Kopf haben.